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7 Headhunter Geheimnisse: Wie Sie als Bewerber überzeugen

Peter Mörs | 18. August 2025

Podcast-Cover zu „Fachkräftemangel?“ der Karrierewerkstatt mit Veranstaltungstitel und den Logos von „Stimmig zum Traumjob“ und „Karrierewerkstatt“, im Hintergrund ein modernes Büro mit Sesseln.
Werkstattgespräch 158: Ein exklusiver Einblick in die Welt der Headhunter mit Britta Schneider – Karrierewerkstatt..

Ihr Weg zum Top-Job: Was ein Headhunter wirklich von Ihnen erwartet

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was ein Headhunter wirklich denkt, wenn er Ihre Unterlagen sichtet? In einer Welt, in der der angebliche Fachkräftemangel in aller Munde ist, sieht die Realität für Führungskräfte oft ganz anders aus. Auf eine einzige Geschäftsführerposition im Mittelstand gehen nicht selten 300 oder mehr Bewerbungen ein. Klingt ernüchternd? Ist es auch. Aber es ist auch eine Chance, wenn Sie die Spielregeln kennen.

Wir Karrieremechaniker nennen die Dinge gerne beim Namen: Im Rennen um die Top-Positionen gibt es keine Silbermedaille, Zweiter Sieger ist erster Verlierer. Deshalb müssen Ihre Performance, Ihre Unterlagen und Ihr Auftreten auf den Punkt sein. In unserem Podcast haben wir kürzlich mit Britta Schneider gesprochen. Headhunterin mit über 20 Jahren Erfahrung im verdeckten Arbeitsmarkt. Und was sie zu sagen hat, ist Gold wert für jeden, der sich beruflich neu orientiert – ob freiwillig oder nach einem „Du gehst jetzt”-Gespräch.

Die harte Wahrheit: Kein Fachkräftemangel in den oberen Etagen

Lassen Sie uns mit einem Mythos aufräumen: Den Fachkräftemangel, den wir im Bereich der „Blue-Collar-Worker“ erleben, gibt es in den Führungsetagen nicht. Im Gegenteil, hier herrscht ein Überangebot an qualifizierten Persönlichkeiten. Das bedeutet für Sie: Der Wettbewerb ist hart und die Unternehmen können es sich leisten, wählerisch zu sein. Es geht längst nicht mehr nur um fachliche Qualifikation. Was wirklich zählt, ist die Passung.

Es entscheidet die „emotionale Passung“.

Britta Schneider nennt es die „emotionale Passung“. Es geht um Werte, Haltung und die Unternehmenskultur. Passen Sie als Mensch zum Unternehmen? Teilen Sie dieselben Grundüberzeugungen? Können Sie den Spirit des Unternehmens authentisch in Ihr Team tragen? Das sind die Fragen, die heute im Fokus stehen. Denn eine Fehlbesetzung ist für ein Unternehmen ein Desaster – nicht nur finanziell. Die Kosten einer Fehlbesetzung können schnell das Drei- bis Vierfache des Jahresgehalts betragen, aber der Reputationsschaden nach innen und außen wiegt oft noch schwerer. Stellen Sie sich vor, der neue Geschäftsführer verlässt das Unternehmen nach sechs Monaten wieder. Das wirft Fragen auf – auch bei der Führungskraft, die die Einstellung zu verantworten hatte.

Im Zweifel immer gegen den Bewerber

Deshalb lautet die Devise: Im Zweifel immer gegen den Bewerber. Das ist nicht böse gemeint, sondern dient der Risikominimierung. Unternehmen wollen absolute Sicherheit, bevor sie eine so wichtige Position besetzen. Und das führt zu mehrstufigen, intensiven Auswahlprozessen mit drei, vier oder sogar fünf Gesprächsrunden, gemeinsamen Mittagessen und Treffen mit dem gesamten Vorstand.

Ihr Verkaufsprospekt: Mehr als nur ein Lebenslauf

Ihre Bewerbungsunterlagen sind Ihr „Verkaufsprospekt“. Und mal ehrlich: Wie viel Zeit investieren Sie in dieses entscheidende Dokument? Viele betrachten die Bewerbung als lästige Pflicht, die schnell erledigt werden muss. Ein fataler Fehler!

Headhunter oder Personaler scannen Ihre Unterlagen oft in weniger als 90 Sekunden. In dieser kurzen Zeit fällt die Entscheidung: Stapel A, B oder C. Was mit dem C-Stapel passiert, wissen wir alle.

Was sind also die größten Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten?

  • Mangelnde Sorgfalt: Rechtschreibfehler, Tippfehler oder – der Klassiker – der falsch geschriebene Name des Ansprechpartners. Das signalisiert Desinteresse und mangelnde Wertschätzung.
  • Unstrukturierte und irrelevante Inhalte: Ein Headhunter will auf einen Blick erfassen, wer Sie sind, was Sie können und was Sie wollen. Unklare Chronologien, fehlende Informationen zum Unternehmen (Branche, Größe, Umsatz) oder eine unübersichtliche Darstellung sind K.O.-Kriterien. Machen Sie es dem Leser leicht, ein positives Bild von Ihnen zu gewinnen.
  • Floskeln und Selbstbeweihräucherung: Vorgefertigte Blocksätze aus dem Internet sind ein No-Go. Statt Ihre Stärken zusammenhanglos aufzuzählen, zeigen Sie konkret, wie Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen auf die Anforderungen der Stelle und das Unternehmen einzahlen. Seien Sie persönlich, individuell und originell.
  • Das falsche Foto: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Ein unpassendes Bewerbungsfoto, im schlimmsten Fall ein Selfie, kann den ersten Eindruck ruinieren. Investieren Sie in einen professionellen Fotografen, der sich auf Bewerbungsfotos spezialisiert hat und die richtige Bildsprache versteht. Es geht um Wirkung, Ausstrahlung und Professionalität. Ein 10 Jahre altes Foto, das Sie jünger aussehen lässt, ist übrigens keine gute Idee. Es erzeugt das Gefühl, mit falschen Unterlagen geködert worden zu sein.

Die Kunst des Verkaufsgesprächs: Es geht um Stimmigkeit, nicht um Schauspielerei

Wenn Ihre Unterlagen überzeugt haben, folgt die nächste Hürde: das Vorstellungsgespräch. Zunächst mit dem Headhunter, dann mit Vertretern des Unternehmens. Hier geht es um weit mehr, als einstudierte Antworten auf Standardfragen zu geben. Es geht um Stimmigkeit. Merkt Ihr Gegenüber, dass Worte und Haltung nicht zusammenpassen, ist das Gespräch oft schon nach drei Minuten vorbei.

Bereitschaft zur Selbstreflexion

Besonders kritisch wird es, wenn Sie aus einer Kündigung herauskommen. Das ist oft ein Schock, der am Ego kratzt. Viele Manager wollen diese Niederlage sofort auswetzen und stürzen sich kopflos in den nächsten Job, ohne innezuhalten und zu reflektieren. Ein riesiger Fehler! Die Welt hat sich verändert. Was vor zehn Jahren noch karrierefördernd war, kann heute ein Hindernis sein. Moderne Führung verlangt Lernfähigkeit und die Bereitschaft zur Selbstreflexion.

„Erzählen Sie doch mal was von sich!“

Sie können sich darauf verlassen, dass die Frage kommt: „Erzählen Sie doch mal was von sich.“ Und darauf brauchen Sie eine exzellente Antwort: eine klare Geschichte – Ihre „Success Story“. Diese Geschichte ist keine Schönfärberei, sondern basiert auf Ehrlichkeit und einer klugen Auswahl. Sie beantwortet die Fragen: „Warum musste ich gehen? Was habe ich daraus gelernt? Was bringe ich mit und was will ich wirklich?“

Wer diese Selbstreflexion scheut, riskiert, von der Realität eingeholt zu werden. Denn auch wenn es objektive Gründe für eine Trennung gab, bleibt die Frage: Warum waren Sie nicht auf der Shortlist derer, die bleiben durften?

Warum professionelle Unterstützung keine Schwäche, sondern eine Stärke ist

Vielleicht denken Sie jetzt: „Das schaffe ich alleine.“ Ein Coaching? Brauche ich nicht! Doch genau hier liegt oft der entscheidende Denkfehler. Je höher Sie in der Hierarchie aufsteigen, desto einsamer wird es und desto weniger ehrliches Feedback erhalten Sie. Sie sind es gewohnt, die Richtung vorzugeben. Aber wer sich ohne Strategie auf unzählige Stellen bewirbt und keine Resonanz erhält, verbrennt nicht nur Zeit, sondern auch wertvolle Kontakte.

Ein professionelles Coaching ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in Ihre Zukunft. Es bietet Ihnen einen geschützten Raum, in dem Sie reflektieren, Ihre Strategie schärfen und an Ihrem Auftritt feilen können. Es ist ein Zeichen von professioneller Selbstverantwortung. Und diese Investition zahlt sich fast immer aus – entweder durch eine besser bezahlte Position oder durch einen Job, der Ihnen mehr Freude und Lebensqualität bringt.

Die Botschaft …

… von Headhunterin Britta Schneider ist klar: Nach einem Tiefschlag sollten Sie sich die Zeit nehmen, Ihre „Karrieremechanik“ zu justieren. Werden Sie sich bewusst, worauf es ankommt. Denn nur, wer weiß, was er will, und stimmig auftritt, kann im entscheidenden Moment überzeugen. Und denken Sie daran: Mitleid ist kein Einstellungskriterium. Not wirkt unattraktiv, Kompetenz, Klarheit und eine innere Ausrichtung dagegen schon. Machen Sie die richtigen Dinge und machen Sie sie richtig, dann sind Sie der Konkurrenz schon weit voraus.