Eine Freistellung nach der Kündigung fühlt sich anfangs oft wie ein Sicherheitsnetz an.
Das Gehalt läuft weiter, der Kalender wird leerer und der Druck sinkt. Genau darin liegt die Gefahr. Wer jetzt abwartet, muss später mit Zeit, Verhandlungsmacht und oft auch Selbstvertrauen bezahlen.
Du nutzt die Monate nur dann für deinen Neustart, wenn du sie wie ein Projekt führst: mit klaren Zielen, Taktung und messbaren Ergebnissen. Sonst wird aus „kurz durchatmen“ schnell „lange raus“ – und das ist das teuerste Karriererisiko.
Was eine Freistellung für dich konkret bedeutet: rechtlich, finanziell, praktisch
Eine Freistellung bedeutet nicht einfach „frei haben“. Sie stellt eine Veränderung deines Arbeitsalltags innerhalb eines weiterhin bestehenden Arbeitsverhältnisses dar. Du bist offiziell weiterhin Arbeitnehmer, deine Arbeitsleistung wird jedoch (ganz oder teilweise) nicht mehr abgerufen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer widerruflichen und einer unwiderruflichen Freistellung.
Bei einer widerruflichen Freistellung kann der Arbeitgeber dich grundsätzlich zurückrufen. Bei einer unwiderruflichen Freistellung entfällt deine Arbeitspflicht dagegen dauerhaft bis zum Ablauf der Frist.
Praktisch entscheidet genau das über deine Planung. Wenn du widerruflich freigestellt bist, kannst du zwar vieles vorbereiten, musst aber damit rechnen, dass du wieder im Betrieb erscheinen sollst. Bei einer unwiderruflichen Freistellung kannst du deinen Neustart wie einen Vollzeitjob angehen.
Bei einer bezahlten Freistellung bleibt in der Regel die Vergütung bestehen.
Die genauen Regelungen sind jedoch im Arbeitsvertrag, in einer Klausel im Aufhebungsvertrag oder in der Freistellungserklärung festgelegt. Dort ist oft auch geregelt, ob Resturlaub, Überstunden oder Bonusansprüche angerechnet bzw. verrechnet werden.
- Prüfe schriftlich: Ist die Freistellung widerruflich oder unwiderruflich?
- Prüfe die Anrechnung: von Resturlaub, Überstunden, variabler Vergütung und Dienstwagen.
- Prüfe das Timing: Was gilt bis zum Ablauf der Kündigungsfrist?
Warum Abwarten dich Geld, Optionen und Verhandlungsmacht kostet
Mit Abfindung und Freistellung rutscht man schnell in den „Privatier-Modus“. Ein paar Wochen wirken zunächst harmlos. Aber der Arbeitsmarkt funktioniert nach dem Prinzip der Dynamik, nicht nach dem der Absichtserklärungen. Je länger man passiv bleibt, desto stärker verschiebt sich die eigene Position vom Entscheider zum Bittsteller.
Die harte Realität: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen lag bei etwa 35,1 Prozent aller Arbeitslosen. Das ist keine Moralkeule, sondern ein Signal: Die Zeit verstreicht schneller, als man denkt.
Und es ist nicht nur finanziell ein Thema, sondern es wird auch psychisch teurer. Bei Arbeitslosen treten psychische Auffälligkeiten mit Krankheitswert bei 34 Prozent auf – etwa doppelt so häufig wie bei Erwerbstätigen. Das heißt nicht, dass es dich „erwischen muss“. Es heißt: Ohne Struktur steigt das Risiko.
Wenn du Führungskraft bist, kommt noch ein zusätzlicher Aspekt hinzu: Statusverlust wirkt nach innen und außen. Du spürst ihn in Gesprächen, in deinem Ton und in deiner Ausstrahlung. Und genau das verhandelt dein Gehalt – lange bevor du über Zahlen sprichst.
- Jede Woche der Passivität senkt das Momentum und die Sichtbarkeit.
- Jeder Monat ohne Plan erhöht den Druck, irgendetwas annehmen zu müssen.
- Jede „Lücke” macht Erklärungen länger und Pitches schwächer.
Widerrufliche und unwiderrufliche Freistellung: der entscheidende Unterschied für deinen Neustart
Viele lesen „freigestellt“ und denken, damit sei die Sache erledigt. In Wahrheit ist das Wort ohne Zusatz jedoch wertlos. „Widerruflich“ bedeutet, dass der Arbeitgeber dich einseitig wieder zur Arbeitsleistung auffordern kann, solange das Arbeitsverhältnis besteht. Das kann besonders dann passieren, wenn Projekte übergeben werden sollen oder Know-how fehlt.
Eine unwiderrufliche Freistellung bedeutet hingegen, dass deine Arbeitspflicht verbindlich aufgehoben ist. Das ist für dich die bessere Ausgangslage, weil du Termine setzen kannst. Coachings, Interviews, Diskretionsgespräche, Networking, Weiterbildung.
Für Führungskräfte ist noch ein Punkt wichtig: Eine widerrufliche Freistellung erzeugt ein permanentes „Stand-by“-Gefühl. Du bist nicht mehr drin, aber auch nicht raus. Das frisst Energie und macht dich langsam. Und langsam ist in dieser Phase dein größter Feind.
Wenn du die Möglichkeit hast, solltest du versuchen, die Freistellung einvernehmlich und unwiderruflich zu gestalten. Das ist keine Eitelkeit, sondern Projektmanagement. Achte dabei auf Formulierungen zur Fortzahlung der Vergütung und zur Anrechnung von Resturlaub sowie auf eine saubere Freistellungserklärung, die nicht im Kleingedruckten wieder widerruflich wird.
- Widerruflich: Planen ja, aber mit Rückruf-Risiko.
- Unwiderruflich: Voller Fokus auf Neustart möglich.
- Schriftlich fixieren: Mündliche Zusagen zählen im Konfliktfall wenig.
Resturlaub, Überstunden und Anrechnung: Worauf du sofort achten musst
IHinter einer Freistellung steckt oft ein stiller Deal: „Du bleibst zu Hause und wir rechnen alles weg.“ Das kann fair sein – oder teuer werden, wenn du es nicht prüfst. Klassiker sind Resturlaub und Überstunden. Häufig werden sie während der Freistellung angerechnet, manchmal auch pauschal verrechnet.
Der Knackpunkt ist dabei die rechtlich und vertraglich korrekte Form. In der Regel setzt eine Anrechnung von Urlaub voraus, dass die Freistellung unwiderruflich erfolgt und die Urlaubsansprüche konkret zugeordnet werden. Sonst kann es später zu Streit kommen, ob der Urlaub wirklich „genommen“ wurde.
Bei Überstunden gilt Ähnliches: Wurden sie sauber dokumentiert? Gibt es eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag? Oder gibt es ein Zeitkonto? Für Führungskräfte ist das oft unübersichtlich, weil vieles mit „Verantwortung“ begründet wurde.
Meine Empfehlung: Behandele das wie eine Due-Diligence. Nicht emotional, sondern sachlich. Du brauchst Klarheit, denn nur dann kannst du den Neustart mit voller Kraft planen, wenn du weißt, welche Ansprüche entfallen, welche bleiben und welche angerechnet werden.
- Dokumente sichern: Zeitkonten, Urlaubsübersicht, Bonusregelungen.
- Freistellungserklärung prüfen: Anrechnung muss klar formuliert sein.
- Im Zweifel klären lassen: arbeitsrechtlich beraten spart später Nerven.
Dein Zeitplan: So setzt du die Monate wie ein CEO-Projekt auf
Die meisten scheitern nicht an fehlender Kompetenz, sondern an fehlender Taktung. Du warst jahrelang in Meetings, Deadlines und KPI-Logik gefangen. Und plötzlich ist alles vorbei. Genau dann brauchst du einen künstlichen Rahmen, sonst frisst dich die Leere auf.
Plane die Freistellung deshalb wie einen Turnaround: Definiere ein Ziel, entwickle eine Strategie, lege Maßnahmen fest und kontrolliere die Ergebnisse. Setze ein Startdatum (heute), eine Zielrolle (bzw. einen Zielkorridor) und messbare Zwischenziele. Wer nur „Bewerbungen schreibt”, hat keinen Plan – das ist Aktionismus.
Auch die Prozessrealität kann dir Orientierung geben: Ein typischer Bewerbungsprozess dauert vier bis acht Wochen bis zur finalen Entscheidung. Wenn du erst nach drei Monaten anfängst, startest du zu spät, weil die Pipeline dann noch leer ist.
Setze dir deshalb eine Pipeline-Logik: Jede Woche muss etwas „rein” (Kontakte, Gespräche, Sichtbarkeit) und etwas „weiter” (Interviews, Follow-ups, Verhandlungen). Dein Kalender ist jetzt kein Luxus, sondern dein Steuerungsinstrument.
- Woche planen: fixe Zeiten für Markt, Kontakte, Unterlagen, Interviews.
- Output messen: Gespräche, nicht Bewerbungen zählen.
- Review: jeden Freitag 30 Minuten Kurskorrektur.
Wochenrhythmus mit festen Routinen: Tempo statt Privatier-Modus
Mit Freistellung und Abfindung fühlt man sich schnell wie ein Privatier. Und genau da kippt es. Man wacht später auf, verschiebt Aufgaben und „guckt mal“ nach Stellen. Das wirkt entspannend, ist in Wahrheit aber Stillstand oder Rückschritt.
Ich mag dafür die Marathon-Metapher: Wenn du bei Kilometer zehn eine schlechte Zwischenzeit hast, hilft dir kein Schulterzucken. Du musst das Tempo ändern, Wasser trinken und deinen Rhythmus finden. Sonst wird die zweite Hälfte brutal. In der Jobsuche ist das genauso: Eine schlechte Zwischenzeit ist nicht peinlich. Peinlich ist es, nichts daran zu ändern.
Baue dir daher einen Wochenrhythmus, der dich dazu zwingt, am Ball zu bleiben. Nicht hektisch, aber konsequent. Du brauchst Routinen, die auch an schlechten Tagen funktionieren. Und ja, das ist unangenehm. Aber es ist besser, als später aus Zeitdruck den falschen Job zu nehmen.

- Montag: Zielkunden/Zielunternehmen-Liste pflegen, 10 neue Kontakte identifizieren.
- Dienstag/Mittwoch: Outreach, Follow-ups, Headhunter-Updates.
- Donnerstag: Interview-Training, Story schärfen, Unterlagen verbessern.
- Freitag: Pipeline-Review, nächste Woche blocken, Erfolge dokumentieren.
Wenn du das vier Wochen durchziehst, bist du wieder im Modus „Ich steuere“. Das ist der Punkt, an dem Optionen entstehen.
Der verdeckte Arbeitsmarkt: Warum Anzeigen selten deine nächste Führungsrolle liefern
Nach der Kündigung machen viele erfahrene Führungskräfte das Naheliegende: Sie nutzen Stepstone, LinkedIn-Jobs und schicken ein paar Bewerbungen raus. Das Problem dabei ist jedoch, dass deine Zielrollen häufig gar nicht offen ausgeschrieben werden. Sie werden diskret über Netzwerke, Headhunter und Empfehlungen gelöst.
Selbst wenn du dich bewirbst, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst: Im Median verschicken Kandidaten 20 Bewerbungen pro Suchphase, doch nur etwa drei führen zu einem Vorstellungsgespräch. Mit anderen Worten: 17 von 20 Bewerbungen enden mit einer Absage oder bleiben ohne Antwort. Wenn du Führungskraft bist und das über Monate hinweg machst, ist der psychologische Verschleiß vorprogrammiert.
Der sinnvollere Weg ist eine Zweigleisigkeit: Ein Teil findet auf dem offenen Markt statt. Der Hauptfokus liegt aber auf zielgerichteten Gesprächen. Du brauchst keine 100 Bewerbungen. Du brauchst 20 gute Gespräche mit den richtigen Menschen.
Dazu gehören relevante Headhunter, Entscheider in Zielunternehmen, Beiräte, Private-Equity-Umfelder, Family Offices und Branchennetzwerke. Das hat nichts mit „Vitamin B“ zu tun, sondern ist Marktlogik. Und es ist lernbar, auch wenn du Selbstvermarktung bisher unangenehm fandest.
- Listen bauen: 30 Zielunternehmen, 30 relevante Personen.
- Kontaktwege klären: Wer kennt wen, wer kann einführen?
- Gesprächsangebot statt Bewerbung: Hypothese + Mehrwert + Frage.
Deine Positionierung: Vom Lebenslauf zur klaren Führungsstory
Nach einer Kündigung wird der Lebenslauf oft zum Schutzschild: Es werden noch mehr Details, Projekte und Technik angegeben. Das wirkt zwar sachlich, ist aber häufig wirkungslos. Entscheider kaufen keine Aufgabenlisten. Sie kaufen Wirkung: Wachstum, Ergebnisse, Risikoreduktion, Turnaround, Skalierung.
Du brauchst eine klare Erfolgsstory, die ohne Rechtfertigung auskommt. Die Kündigung ist dabei nicht das Zentrum, sondern nur ein Kapitel. Der Kern deiner Geschichte ist: Was hast du gelöst, wie hast du geführt und welchen Wert hast du geschaffen?
Baue dir dafür eine „Erfolgsdatenbank“ mit 10 bis 15 Fällen, jeweils mit Ausgangslage, deinem Hebel, Ergebnis und Stakeholdern. Das ist dein Rohmaterial für Interviews, LinkedIn, Headhunter-Gespräche und Initiativkontakte. Und es macht dich wieder souverän, weil du dich an echte Wirkung erinnerst.
Wichtig: Wenn du technisch geprägt bist, dann übersetze. Patente sind stark, aber Entscheider wollen wissen, was es für den Umsatz, die Marge, die Qualität oder die Time-to-Market bedeutet. Diese Übersetzung ist keine Show. Sie zeugt von Führungsfähigkeit.
- Ein-Satz-Positionierung: „Ich helfe Unternehmen, X zu erreichen, indem ich Y tue.“
- Drei Belege: messbare Ergebnisse aus deiner Erfolgsdatenbank.
- Ein Zielkorridor: Rolle, Branche, Größe, Problemtyp.
Gespräche statt Formulare: So gewinnst du wieder Kontrolle über den Prozess
Ein häufiger Fehler bei der Freistellung nach Kündigung ist: Man spielt den Prozess des Unternehmens mit, anstatt den eigenen zu führen. Das führt zu endlosen Online-Formularen, langsamen Rückmeldungen und dem Gefühl der Machtlosigkeit.
Zudem sind viele Prozesse unnötig kompliziert. 42 Prozent der Kandidaten haben schon einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen, weil er zu kompliziert war. Wenn selbst Kandidaten abbrechen, ist klar: Du musst selektieren. Nicht jede Firma verdient deine Zeit.
Steuere über Gespräche. Ein gutes Gespräch bringt dich weiter als fünf Bewerbungen. Und ein Gespräch bietet dir die Möglichkeit zu testen, ob die Rolle, der Chef und das Mandat zu dir passen. Genau das brauchst du, um nicht aus Zeitdruck die erstbeste Lösung zu wählen.
Konkrete Taktik: Entwickle zwei Gesprächsformate. Erstens das „Marktsondierungsgespräch“ mit Headhuntern und gut vernetzten Kontakten. Zweitens das „Hypothesen-Gespräch“ mit dem Zielunternehmen, in dem du ein Problem ansprichst und deinen Lösungsbeitrag skizzierst. Kurz, präzise, ohne Pitch-Gelaber.
- Jede Woche: 5 Outreach-Nachrichten, 3 Follow-ups, 2 Gespräche.
- Nach jedem Gespräch: Notizen, nächster Schritt, Termin im Kalender.
- Pipeline-Regel: Wenn nichts nachkommt, wird nachgelegt – sofort.
Psychologische Stabilität: So schützt du Fokus und Selbstvertrauen in der Freistellung
Freistellung ist nicht nur ein arbeitsrechtlicher Zustand. Es ist auch ein Identitätsstress. Gestern noch in der Verantwortung, heute „freigestellt“. Viele unterschätzen, wie schnell sich das im Denken manifestiert: Zweifel, Wut, Scham, Rückzug.
Fakten helfen, weil sie das Thema enttabuisieren. So berichten 34 Prozent der Arbeitslosen, aber nur 16 Prozent der Erwerbstätigen von psychischen Belastungen. Das ist kein Charakterthema. Das ist Kontext. Und den Kontext kannst du gestalten: Struktur, soziale Kontakte, Bewegung und klare Aufgaben sind wichtig.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass eine aktive und fokussierte Jobsuche mit einer schnelleren Wiederbeschäftigung und besseren psychologischen Ergebnissen verbunden ist, während passive Strategien Hilflosigkeit und Stress verstärken können. Genau diese Kette ist gut beschrieben: Aktive Jobsuche korreliert mit besseren Ergebnissen. Das ist der Grund, warum Tempo kein „Druck“, sondern Selbstschutz ist.
Mach es konkret: Lege einen Tagesstart fest, der nicht verhandelbar ist. Plane soziale Termine, die nichts mit dem Job zu tun haben. Und arbeite mit jemandem zusammen, der dich unterstützt, wenn du anfängst, dich klein zu denken. Führungskräfte brauchen in dieser Phase ein Sparring, kein Mitleid.
- Fixer Start: gleiche Uhrzeit, gleiche erste Aufgabe.
- Körper: Bewegung als Pflichttermin, nicht als Hobby.
- Sparring: wöchentlich Feedback auf Story, Auftreten, Strategie.
Arbeitgeber, Arbeitsrecht und saubere Dokumente: Das musst du schriftlich klären
Gerade wenn Emotionen im Spiel sind, wird oft der teuerste Fehler begangen: Es wird zu wenig schriftlich festgehalten. Ob Kündigung oder Aufhebungsvertrag – du brauchst klare Dokumente. Nicht, weil du streiten willst, sondern weil Unklarheit dich blockiert.
Prüfe deshalb die Grundlagen: Was steht im Arbeitsvertrag zur Freistellung? Gibt es eine Klausel zur einseitigen Freistellung? Was ist zur Fortzahlung der Vergütung, zur Anrechnung von Resturlaub, zur Behandlung von Überstunden, zur Herausgabe von Arbeitsmitteln und zu Wettbewerbsverboten geregelt?
Bei einer Freistellungserklärung ist es entscheidend, ob „widerruflich” oder „unwiderruflich” steht und ob die Anrechnung klar formuliert ist. Wenn die Formulierungen schwammig sind, kann es später zu Diskussionen über Urlaubsansprüche und Vergütungsansprüche kommen.
Wichtig sind auch Zeugnis, Referenzen und Kommunikationsregeln. Wer informiert die Kunden und das Team? Wie lautet die offizielle Trennungsstory? Das ist kein Eitelkeitsprojekt. Es ist Reputationsmanagement und beeinflusst, wie leicht du wieder in Gespräche kommst.
- Dokumentenpaket: Kündigung/Aufhebungsvertrag, Freistellung, Zeugnis, Bonusregelungen.
- Trennungsnarrativ: zwei Sätze, die du überall gleich sagst.
- Referenzen sichern: bevor Leute „weitergezogen“ sind.
Fazit und nächste Schritte
Eine Freistellung nach der Kündigung ist kein Urlaub, sondern ein Zeitfenster mit Ablaufdatum. Wenn du diese Zeit strukturiert nutzt, kannst du eine Pipeline aufbauen, Klarheit erlangen und deine Verhandlungsmacht stärken. Wenn du abwartest, wächst der Druck und mit ihm sinkt die Qualität deiner Entscheidungen.
Mach die Freistellung zu deinem Projekt: Erarbeite rechtliche Klarheit, einen Wochenrhythmus, eine Strategie für den verdeckten Arbeitsmarkt und eine saubere Story. Dann werden die Monate zu einem kontrollierten Neustart und nicht zu einer Lücke.
Wenn du das nicht allein aufsetzen möchtest, findest du im Werkzeugkasten der Karriere-Werkstatt die passenden Werkzeuge.
Du kannst auch direkt den Karriere-Check machen und erhältst von uns eine fundierte Einschätzung deiner Karrieremöglichkeiten.
Lies unbedingt den Blogartikel mit André Karsten, Fachanwalt für Arbeitsrecht von der Kanzlei Abeln in Berlin. Das Buch von Dr. Abeln „Vom Karriereknick zum Comeback: Wie Führungskräfte ihre schleichende Entlassung erkennen und die richtige Gegenstrategie finden“ ist mehr als empfehlenswert, weil es dir anhand von realistischen Begebenheiten aufzeigt, dass Fair Play in deiner Situation eher die Ausnahme ist.
FAQ zur Freistellung nach Kündigung
Wird man bei einer Freistellung weiter bezahlt?
Häufig ja, wenn es sich um eine bezahlte Freistellung handelt: Dann läuft die Fortzahlung der Vergütung weiter, obwohl du freigestellt bist. Entscheidend ist, was in Kündigung, Aufhebungsvertrag, Arbeitsvertrag oder Freistellungserklärung vertraglich geregelt ist.
Achte darauf, ob variable Bestandteile (Bonus, Provision) betroffen sind und ob Anrechnungsklauseln existieren, durch die Urlaub oder Überstunden „aufgebraucht“ werden.
Hat eine Freistellung Nachteile?
Ja, sie kann Nachteile haben, wenn du sie passiv verbringst: Du verlierst Tempo, Sichtbarkeit und oft Verhandlungsmacht. Zudem kann eine widerrufliche Freistellung deine Planung erschweren, weil der Arbeitgeber dich rechtlich wieder zur Arbeitsleistung abrufen kann.
Ein weiterer Nachteil ist psychologisch: Ohne Struktur steigt das Risiko, in eine Negativspirale aus Grübeln und Aufschieben zu geraten.
Welche Gründe sind für eine Freistellung möglich?
Typische Gründe sind Konflikte nach einer Kündigung, Schutz von Betriebsgeheimnissen, der Verlust von Vertrauen oder das Ziel, Unruhe im Team zu vermeiden. Auch Übergaben, Restrukturierungen oder das Ende einer Führungsfunktion können dazu führen, dass Arbeitgeber eine Freistellung bevorzugen.
Manchmal wird sie auch einvernehmlich vereinbart, um eine saubere Trennung zu ermöglichen und beiden Seiten Planungssicherheit zu geben.
Wann darf der Arbeitgeber freistellen?
Das hängt vom Arbeitsrecht und vom Einzelfall ab. Eine Freistellung kann einseitig möglich sein, etwa wenn berechtigte Interessen des Arbeitgebers überwiegen oder entsprechende vertragliche Regelungen bestehen. Häufig wird die Freistellung aber einvernehmlich geregelt, weil das rechtlich stabiler ist.
Wichtig ist die konkrete Ausgestaltung: widerruflich oder unwiderruflich, und wie Urlaub, Überstunden und Vergütungsanspruch behandelt werden.
Bin während der Freistellung frei, zu tun, was ich möchte?
Nicht vollständig. Du bist weiterhin in einem bestehenden Arbeitsverhältnis, daher gelten oft Nebenpflichten wie Loyalität, Verschwiegenheit und eventuell ein Wettbewerbsverbot. Bei widerruflicher Freistellung musst du zudem erreichbar bleiben und darfst dich nicht so verplanen, dass du einer Rückkehr nicht nachkommen könntest.
Bei unwiderruflicher Freistellung hast du deutlich mehr Planungsspielraum, solltest aber trotzdem vertragliche Einschränkungen prüfen.
Darf ich während der Freistellung Gehalt aus einer anderen Tätigkeit bekommen?
Grundsätzlich kann eine Nebentätigkeit erlaubt sein, aber sie darf nicht gegen Wettbewerbsverbote, Arbeitszeitregeln oder Loyalitätspflichten verstoßen. Außerdem kann es vertragliche Klauseln geben, die eine Zustimmung des Arbeitgebers verlangen.
Bei bezahlter Freistellung ist auch wichtig, ob anderweitiger Verdienst angerechnet wird oder ob es Regelungen zum Verrechnen gibt. Kläre das rechtlich sauber, bevor du startest.




