5 Fragen, die Ihre Neujahrsvorsätze für 2026 retten
Logbuch-Eintrag 2025: Warum wir oft im falschen Orbit landen
„Der Weltraum, unendliche Weiten… Wir schreiben das Jahr 2025.“ Mit diesem fast schon nostalgischen Logbuch-Eintrag starteten wir in unsere letzte Podcast-Folge dieses Jahres. Es ist diese seltsame, fast magische Zeit „zwischen den Jahren“. Die E-Mails ebben ab, das Büro in Willich wirkt verwaist, und die Reste vom Weihnachtsbraten konkurrieren mit den letzten Plätzchen um unsere Aufmerksamkeit.
Doch so friedlich diese Tage sind, so gefährlich sind sie für unsere berufliche Planung. Denn genau jetzt passiert es: Wir fassen Vorsätze. Gute Vorsätze.
Vielleicht erkennen Sie sich wieder: Sie sitzen mit einem Glas Wein (oder Champagner?) auf dem Sofa und denken: „2026 wird alles anders. Ich werde Geschäftsführer. Ich werde abnehmen. Ich werde endlich sichtbar.“ Das Gefühl dabei ist berauschend. Wir fühlen uns produktiv, allein schon durch den Gedanken an Veränderung. Doch als Karriere-Mechaniker, die täglich mit Fach- und Führungskräften arbeiten, müssen wir Ihnen leider etwas Wasser in den Wein gießen: Diese Vorsätze sind oft schon Makulatur, noch bevor die Tinte auf dem Papier trocken ist.
Die Statistik der gescheiterten Vorsätze: Warum der Januar ein Friedhof für Ziele ist
Es ist kein Geheimnis, dass Fitnessstudios in der dritten Januarwoche wieder leerer werden. Aber warum scheitern wir, obwohl wir intelligent, erfahren und eigentlich diszipliniert sind?
Die Wissenschaft spricht hier eine klare Sprache. Studien der University of Scranton zeigen, dass zwar eine euphorische Mehrheit motiviert ins neue Jahr startet, aber nur magere 8 bis 19 Prozent ihre Vorsätze langfristig (über zwei Jahre) durchhalten. Das Problem ist selten die Willenskraft. Das Problem ist die Konstruktion des Ziels.
Zudem bleibt die Hitliste der beliebtesten Ziele oder Neujahrsvorsätze seit Jahrzehnten konstant. Es sind laut Statista immer die gleichen.
Wenn wir in der Karriere-Werkstatt Klienten beraten, sehen wir oft Ziele, die eher gesellschaftlichen Erwartungen oder kurzfristigen Emotionen entspringen als einer echten inneren Notwendigkeit. Ein Ziel wie „Ich will Manager werden“ ist oft nur ein Pflaster auf einer Wunde, die ganz woanders liegt. Es ist, als würden Sie beim Auto die Reifen wechseln, obwohl der Motor stottert.
Ein spannender Artikel des Fisher College of Business unterstreicht, dass vage Ziele und fehlende Rechenschaftspflicht („Accountability“) die Hauptgründe für das Scheitern sind. Wir scheitern nicht, weil wir faul sind. Wir scheitern, weil unsere Ziele „obsolet“ sind – sie haben keine Substanz, kein echtes Fundament.
Symptom vs. Ursache: Die Diagnose des Karriere-Mechanikers
In unserer Arbeit als Job-Coaches erleben wir oft Menschen, die die Karriereleiter mit beeindruckendem Tempo hochgeklettert sind, nur um oben festzustellen, dass die Leiter an der falschen Mauer lehnt.
Neujahrsvorsätze sind oft nur Symptombehandlung. „Ich will abnehmen“ ist das Symptom. Die Ursache könnte sein: „Ich mag mich nicht mehr im Spiegel sehen“ oder „Ich will gesund bleiben für meine Enkel“. Das sind zwei völlig unterschiedliche Motivatoren.
Genau hier greift unsere Philosophie: Setzen Sie sich weniger Ziele, aber verstehen Sie deren wahre Motivation.
Bevor Sie sich also vornehmen, 2026 den Job zu wechseln oder eine Beförderung anzustreben, sollten Sie in den Motorraum Ihrer Psyche schauen. Wir müssen weg von oberflächlichen „To-Do-Listen“ hin zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme. In unserem Podcast haben wir das Bild des Eisbergs benutzt: Der Vorsatz ist nur die Spitze über dem Wasser. Der eigentliche Antrieb – oder die Bremse – liegt unsichtbar darunter.
Die wichtigste Frage Ihres Lebens: Was, Wo und mit Wem?
Peter hat es in der Episode auf den Punkt gebracht: Die vielleicht wichtigste Frage, die Sie sich stellen können, lautet:
„Was mache ich, wo und mit wem?“
So trivial das klingt, so komplex ist die Antwort.
- Was sind meine Aufgaben? (Inhalt)
- Wo übe ich sie aus? (Umgebung, Kultur, Ort)
- Mit wem arbeite ich zusammen? (Team, Vorgesetzte, Kunden)
Sobald Sie diese drei Aspekte für den 31.12.2026 beantworten können, fügt sich der Rest fast wie von selbst. Doch viele unserer Klienten scheitern bereits am „Was“. Sie definieren sich über Titel („Leiter Vertrieb“), nicht über Tätigkeiten.
Um dieses „Was“ wirklich zu durchdringen und faule Kompromisse zu entlarven, nutzen wir ein Werkzeug, das nicht aus der Psychologie stammt, sondern aus der harten Welt der industriellen Fertigung.
Werkzeugkiste: Die „5-Why“-Methode von Sakichi Toyoda
Sakichi Toyoda, der Gründer von Toyota, war ein Mann der Praxis. Wenn in seiner Fabrik eine Maschine stand, gab er sich nicht mit der Antwort „Die Sicherung ist durchgebrannt“ zufrieden. Er fragte: „Warum?“.
Die Methode nennt sich „5 Why“ (Fünfmal Warum). Sie dient der Ursache-Wirkung-Bestimmung. Im Qualitätsmanagement verhindert sie, dass man nur das Symptom repariert (Sicherung tauschen), statt die Ursache zu beheben (Lager schmieren, damit der Motor nicht heiß läuft).
Die American Society for Quality (ASQ) beschreibt diese Technik als essenziell, um zum „Root Cause“ vorzudringen. Und genau das tun wir jetzt mit Ihrem Karriereziel.
Praxis-Test: Der Wunsch „Geschäftsführer werden“ auf der Hebebühne
Lassen Sie uns das Beispiel aus unserer Podcast-Folge durchspielen. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei uns in der Beratung.
Ihr Ziel: „Ich will Geschäftsführer werden.“
- Warum?
Antwort: „Weil ich endlich das Lenkrad in der Hand haben und bestimmen will, wohin die Reise geht.“ - Warum willst du bestimmen, wohin die Reise geht?
Antwort: „Weil ich meine Vision für dieses Geschäftsfeld umsetzen will. Ich habe Ideen, die realisiert werden müssen.“ - Warum willst du deine Visionen umsetzen?
Antwort: „Weil es in mir brennt. Ich bin überzeugt, den richtigen Weg zu kennen – so wie Reinhold Messner den Weg auf den Everest kannte.“ - Warum bist du so sicher, den richtigen Weg zu kennen?
Antwort: „Weil ich den Markt seit Jahren analysiere und das ‚Big Picture‘ habe, das anderen fehlt.“ - Warum hast du dich so intensiv damit beschäftigt?
(Und hier kommt der Moment der Wahrheit)
Ehrliche Antwort A: „Weil ich Erfolg, finanzielle Freiheit und Anerkennung durch meine Expertise will.“
Ehrliche Antwort B: „Weil ich meinen Eltern beweisen will, dass ich etwas tauge.“
Sehen Sie den Unterschied?
Bei Antwort A ist der Wunsch nach der Geschäftsführer-Position durch Kompetenz und den Wunsch nach Gestaltungshoheit gedeckt. Das ist ein gesunder Antrieb.
Bei Antwort B ist der Wunsch eine Kompensation. Wenn Sie aus diesem Grund Geschäftsführer werden, laufen Sie Gefahr, trotz Erfolg unglücklich zu sein oder auszubrennen. Sie würden die Anerkennung im Außen suchen, um einen Mangel im Inneren zu füllen.
In unserer Newplacement-Beratung nutzen wir genau diese Technik, um sicherzustellen, dass Sie nicht nur einen neuen Job finden, sondern Ihren Job. Denn nichts ist teurer – emotional und finanziell –, als mit Vollgas in die falsche Richtung zu fahren.
Fazit: Das „Warum“ ist der Treibstoff für 2026
Wenn Sie in diesen Tagen Ihre Ziele für 2026 formulieren, seien Sie radikal ehrlich. Nutzen Sie die ruhigen Tage, um fünfmal „Warum“ zu fragen.
Die Zahl 5 ist dabei nur symbolisch. Manchmal reicht dreimaliges Nachhaken, manchmal brauchen Sie sieben Anläufe. Wichtig ist, dass Sie auf den Grund stoßen.
Wer sein echtes „Warum“ kennt, braucht keine Neujahrsvorsätze, die nach drei Wochen verpuffen. Er hat einen Motor, der das ganze Jahr über läuft – zuverlässig und kraftvoll.
Weitere spannende Einblicke zu den Herausforderungen im Arbeitsmarkt für erfahrene Fachkräfte finden Sie auch in unserem Blogbeitrag über Altersdiskriminierung im Arbeitsmarkt, der zeigt, warum gerade Klarheit in der eigenen Positionierung so wichtig ist.
Ein Dankeschön aus der Werkstatt
Zum Schluss möchten wir, Peter und Marc, den Schraubenschlüssel beiseitelegen und einfach „Danke“ sagen.
Danke an unsere Klienten für das Vertrauen, uns in ihre „Maschinenräume“ blicken zu lassen. Danke an unsere Klienten, Partner und Wegbegleiter. Und danke an Sie, liebe Leser und Zuhörer.
Wir wünschen Ihnen einen guten Rutsch, Gesundheit und dass Sie 2026 Ihre ganz persönlichen „unendlichen Weiten“ entdecken. Bleiben Sie neugierig und hinterfragen Sie die Dinge!
Die Karriere-Werkstatt bietet dir die Möglichkeit, ein kostenloses Erstgespräch zu führen – völlig unverbindlich. Hier kannst du deine individuelle Situation schildern, erste Impulse erhalten und erfahren, wie maßgeschneiderte Lösungen für deinen weiteren Weg aussehen können.
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