Die Karriere-Werkstatt

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🎙️ Job weg, was nun? Mit Stoizismus die Karriere retten

Peter Mörs | 7. Januar 2026

Stoizismus

Lebenskrise Jobverlust: Stoisch zurück in die Spur

Hand aufs Herz: Wenn die Kündigung ins Haus flattert, fühlt sich das erst einmal nicht wie eine interessante philosophische Übung an. Es fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Besonders für uns „alte Hasen“, Fach- und Führungskräfte jenseits der 45, die oft Jahrzehnte in einer vermeintlichen Sicherheit gelebt haben. Da brechen Säulen weg. Der Firmenwagen, der Titel, die Routine – und zack, bist du mitten in einer Lebenskrise.

Wir in der Karriere-Werkstatt erleben das täglich. Gestandene Männer und Frauen, die plötzlich wie gelähmt sind. Die Frage „Warum ich?“ hallt durch die leeren Flure des eigenen Kopfes.

Aber weißt du was? Diese Lebenskrise ist oft gar keine Sackgasse, sondern eine verdammt wichtige Kreuzung. Und um die richtige Abbiegung zu nehmen, hilft uns eine Denkschule, die über 2000 Jahre alt ist und radikaler nicht sein könnte: der Stoizismus.

Wir haben uns dazu in unserem Podcast mit Guido Bellberg unterhalten, dem Macher von „Der wilde Stoiker“. Das Gespräch ging tief – und es hat bestätigt, was wir Karrieremechaniker schon lange predigen: Deine innere Haltung entscheidet über dein äußeres Ergebnis.

Warum trifft uns die Kündigung so hart?

Lass uns Tacheles reden! Ein Jobverlust ist in unserer Gesellschaft selten nur ein rein wirtschaftlicher Vorgang. Er ist auch eine Kränkung. Wir identifizieren uns stark über unsere Tätigkeit. „Ich bin Produktionsleiter“, „Ich bin Senior Vice President“. Nein, das bist du nicht. Du bist Peter, Marc oder Guido und übst eine Funktion aus.

Das Problem entsteht, wenn wir diese Distanz verlieren. Guido Bellberg hat es im Podcast treffend formuliert: Viele Menschen haben ein falsches Selbstbild. Sie glauben, ihre Emotionen seien sie selbst. Wenn dann der Job wegbricht, bricht auch das Ego zusammen. Das ist der Nährboden für jede Lebenskrise.

Du fühlst dich ungerecht behandelt. Du trauerst dem „goldenen Käfig“ nach: dem guten Gehalt, der Sicherheit, dem Status. Aber warst du in diesem Käfig wirklich glücklich? Oder war es dir nur bequem? Oft ist eine Lebenskrise nur das Symptom dafür, dass wir innerlich schon Jahre vorher gekündigt haben, uns aber zu bequem (oder zu feige) waren, unsere Komfortzone zu verlassen.

Stoizismus: Mehr als nur „Zähne zusammenbeißen“

Viele denken bei Stoizismus an einen gefühllosen Klotz, der alles stumm erträgt. Völliger Quatsch. Ein Stoiker hat Gefühle. Er lässt sich nur nicht von ihnen versklaven. Guido nennt das provokant: Wir wollen keine „feuchten Roboter“ sein, die nur auf Reize reagieren.

Es geht darum, die Amplitude der Emotionen zu glätten. Du darfst trauern, du darfst wütend sein. Aber du darfst nicht darin ertrinken. Wenn du in einem Loch sitzt, ist die erste Regel: Hör auf zu graben.

Stoizismus ist mentales Training. Es ist die Fähigkeit, zwischen deiner Wahrnehmung und der Realität zu unterscheiden. Die Realität ist: Der Arbeitsvertrag ist beendet. Die Wahrnehmung ist: „Mein Leben ist vorbei, ich bin wertlos, das ist eine Katastrophe.“ Merkst du den Unterschied? Die Lebenskrise entsteht in deinem Kopf, nicht auf dem Papier.

In der Psychologie ist bekannt, dass Resilienz trainierbar ist. Die American Psychological Association bestätigt, dass die Art und Weise, wie wir über negative Ereignisse denken, massiven Einfluss auf unsere Erholung davon hat Quelle: American Psychological Association – Building Resilience. Genau hier setzt die Stoa an.

Premeditatio Malorum: Das Übel vorwegnehmen

Jetzt wird es kurz technisch, aber bleib bei mir. Es gibt eine Technik, die nennt sich Premeditatio Malorum. Das heißt auf gut Deutsch: Stell dir vor, es geht alles den Bach runter – solange es dir noch gut geht.

Klingt pessimistisch? Nein, es ist die ultimative Versicherung gegen Panik. Der Hamburger Kaufmann sagt: „Das Beste hoffen, aber mit dem Schlimmsten rechnen.“

Wie wenden wir das an?

Wenn du noch im Job bist: Stell dir vor, morgen ist er weg. Was machst du dann? Hast du einen Plan B? Ist dein LinkedIn-Profil aktuell? Ist dein Netzwerk warm?

Wenn du das mal durchgespielt hast, verliert das Schreckgespenst „Kündigung“ seinen Schrecken. Du merkst: „Okay, ich würde nicht verhungern. Ich habe Rücklagen. Ich habe Skills.“

Guido Bellberg hat im Interview erzählt, wie er sich auf Prüfungen vorbereitet oder auf Wartezeiten. Er spielt das Szenario durch: „Was, wenn ich durchfalle?“ – „Dann mache ich es nochmal.“ Die Katastrophe schrumpft auf ein handhabbares Problem zusammen.

Wenn du bereits in der Lebenskrise steckst, kannst du die Technik immer noch anwenden: „Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann?“ Meistens ist die Antwort nicht „Der Tod“, sondern „Ich muss meinen Lebensstandard anpassen“ oder „Ich muss umziehen“. Unangenehm? Ja. Tödlich? Nein.

Die Dichotomie der Kontrolle: Was du wirklich in der Hand hast

Das ist vielleicht das mächtigste Werkzeug im Koffer eines jeden, der sich beruflich neu orientieren muss. Die Stoiker unterscheiden radikal zwischen zwei Dingen:

  1. Dinge, die wir kontrollieren können.
  2. Dinge, die wir nicht kontrollieren können.

Was kontrollierst du? Deine Gedanken. Deine Handlungen. Deine Bewerbungsunterlagen. Wie viele Anrufe du heute tätigst. Deine Einstellung zum Vorstellungsgespräch.

Was kontrollierst du nicht? Die Wirtschaftslage. Die Entscheidung des Personalers. Ob Ford in Köln Stellen abbaut oder nicht. Was dein Ex-Chef über dich denkt.

Die meisten Menschen in einer Lebenskrise verschwenden 90 % ihrer Energie auf Kategorie 2. Sie regen sich über „die da oben“ auf, über die Ungerechtigkeit, über den Markt. Das ist vergebene Liebesmüh. Es macht dich nur bitter und handlungsunfähig.

Konzentriere dich auf deinen Einflussbereich. Poliere deine Unterlagen auf Hochglanz. Trainiere deine Interview-Skills. Netzwerke wie ein Weltmeister. Das liegt in deiner Macht. Wenn du das tust, kannst du abends in den Spiegel schauen und sagen: „Ich habe meinen Job gemacht.“ Das Ergebnis liegt dann nicht mehr bei dir.

Wir haben dazu auch einen passenden Artikel bei uns auf der Seite, der zeigt, wie wichtig die richtige Strategie bei der Neuorientierung ist: Strategieberatung für deine Karriere.

Amor Fati: Umarme den Mist (und mach Gold daraus)

Nietzsche hat den Begriff Amor Fati geprägt – die Liebe zum Schicksal. Das ist die Königsklasse. Es bedeutet nicht nur, das Unvermeidliche zu akzeptieren („Na gut, dann ist es halt so“), sondern es aktiv zu bejahen.

„Ich habe meinen Job verloren. Gut.“

Warum gut?

Weil es mich zwingt, endlich aus dem Trott auszubrechen.

Weil ich endlich die Zeit habe, mich um meine Gesundheit zu kümmern.

Weil ich jetzt die Chance habe, den Branchenwechsel zu wagen, von dem ich seit zehn Jahren träume.

Steve Jobs sagte einmal, dass der Rauswurf bei Apple das Beste war, was ihm passieren konnte. Ohne diese Lebenskrise hätte er Pixar nicht gegründet und wäre nicht zu dem Visionär geworden, der er später war.

Frag dich nicht: „Warum passiert mir das?“

Frag dich: „Wozu ist das gut? Was kann ich daraus lernen?“

Jedes Ereignis hat eine positive Absicht oder zumindest ein potenzielles positives Ergebnis, wenn wir bereit sind, danach zu suchen. Das ist kein esoterisches „Wünsch-dir-was“, sondern knallhartes Reframing. Du nimmst die Energie, die du ins Jammern stecken würdest, und steckst sie in den Aufbau deiner Zukunft.

Guido wies im Podcast darauf hin, dass wir oft gar nicht wissen, was gut für uns ist. Vielleicht ist der Job, dem du nachtrauerst, genau das Ding, das dich in fünf Jahren mit einem Burn-out ins Krankenhaus gebracht hätte. Der Verlust heute ist vielleicht deine Rettung.

Praktische Anwendung: Dein stoischer Notfallkoffer

Wie sieht das nun konkret am Montagmorgen aus, wenn du arbeitslos am Frühstückstisch sitzt?

  1. Realitätscheck: Nimm die Situation an, wie sie ist. Keine Beschönigungen, keine Katastrophenszenarien. „Ich bin momentan ohne Anstellung. Ich bin gesund. Ich habe Fähigkeiten.“
  2. Trennlinie ziehen: Schreib auf, was dich gerade belastet. Dann nimm zwei Textmarker. Grün für „Kann ich kontrollieren“, Rot für „Kann ich nicht kontrollieren“. Alles Rote wird ignoriert. Alles Grüne wird abgearbeitet.
  3. Die Perspektive wechseln: Zoome raus. Betrachtet aus der Perspektive deines gesamten Lebens (oder des Universums, wenn du es groß magst): Wie wichtig ist dieser Jobverlust wirklich? In 5 Jahren? In 10 Jahren?
  4. Dankbarkeit: Ja, klingt abgedroschen, ist aber neurobiologisch hochwirksam. Wofür bist du dankbar? Dass du Zeit für deine Kinder hast? Dass du in einem Land mit sozialen Sicherungssystemen lebst? Das senkt den Stresspegel und macht dich handlungsfähig.

Auch die Stanford Encyclopedia of Philosophy betont, dass die stoische Praxis darauf abzielt, ein glückliches Leben (Eudaimonia) zu führen, indem man seine Wünsche mit der Realität in Einklang bringt Quelle: Stanford Encyclopedia of Philosophy – Stoicism.

Eine Lebenskrise ist immer ein Wendepunkt. Du kannst dich entscheiden: Willst du das Opfer der Umstände sein? Ein Spielball von Konzernentscheidungen und Marktveränderungen? Oder willst du der Kapitän auf deinem Schiff sein, auch (und gerade) wenn es stürmt?

Stoizismus bietet dir das mentale Rüstzeug, um in diesem Sturm stehenzubleiben. Es nimmt dir nicht die Arbeit ab, einen neuen Job zu finden. Das musst du schon selbst machen (oder mit uns). Aber es sorgt dafür, dass du diesen Prozess nicht als gebrochener Mann oder gebrochene Frau durchläufst, sondern als jemand, der an der Herausforderung wächst.

Guido Bellberg sagte im Gespräch sinngemäß: „Arbeite an dir selbst. Du bist die Baustelle.“ Und genau das ist es. Nutze die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht nur für Bewerbungen, sondern für ein Update deines Betriebssystems.

Wenn du merkst, dass du alleine nicht aus dem Gedankenkarussell kommst, dann hol dir Unterstützung. Manchmal braucht es einen Blick von außen, um die „Goldstücke im Sand“ wiederzufinden, wie ich es gerne nenne.

Schau dir gerne an, wie wir dich dabei unterstützen können, deine PS wieder auf die Straße zu bringen. Die Tür steht offen. Durchgehen musst du selbst.

Bereit für den nächsten Schritt?

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