Die Trennung · Outplacement
Was ist Outplacement – und warum hat mir niemand davon erzählt?
Stichwort: Outplacement · Stand: 24. September 2026
Die zweite Hälfte der Frage ist die interessantere. Outplacement gibt es in Deutschland seit über vierzig Jahren. Trotzdem hat die überwiegende Mehrheit der Menschen, die davon profitieren würden, das Wort noch nie gehört. Ein Teil derer, die sie beraten, ebenfalls nicht.
Kurz gesagt
- Outplacement ist eine bezahlte Begleitung beim Wechsel in den nächsten Job, meist vom bisherigen Arbeitgeber finanziert.
- Es ist keine Personalvermittlung. Der Berater arbeitet für dich, nicht für ein Unternehmen mit einer offenen Stelle.
- Vereinbart wird es im Aufhebungsvertrag. Danach ist es praktisch nicht mehr zu bekommen.
- Vom Arbeitgeber bezahlt ist es für dich steuerfrei (§ 3 Nr. 19 EStG). Aus der Abfindung bezahlt kostet es dich fast das Doppelte.
- Rund 11.000 Menschen im Jahr werden in Deutschland so begleitet. Deshalb kennt es fast niemand.
Was Outplacement ist
Outplacement ist eine Beratung, die einen Menschen von der Trennung bis in den nächsten Job begleitet – und meist noch ein Stück darüber hinaus. Bezahlt wird sie in der Regel vom Unternehmen, das sich trennt. Beraten wird der Mensch, der geht.
Diese Konstruktion ist ungewöhnlich, und sie erklärt die meisten Missverständnisse. Der Auftraggeber ist nicht der Klient. Ein seriöser Berater arbeitet trotzdem ausschließlich für den Klienten. Sonst wäre die Beratung wertlos – und das weiß auch der Arbeitgeber, der sie bezahlt.
Für dasselbe gibt es mehrere Namen. Newplacement betont, dass es um das Neue geht und nicht um das Aus-dem-Unternehmen-heraus. Karriereberatung oder Karrierecoaching heißt es, wenn der Betroffene selbst zahlt. Gemeint ist im Kern dasselbe Handwerk.
Ein typisches Programm umfasst: die Standortbestimmung, die Klärung des Ziels, den kompletten Marktauftritt – Unterlagen, Profile, Ansprache –, die Bearbeitung des verdeckten Arbeitsmarkts, die Vorbereitung auf Gespräche, die Verhandlung des neuen Vertrags und die Begleitung durch die ersten Monate.
Warum es fast niemand kennt
Wir sind in vielen Netzwerken unterwegs, unter anderem beim BVMW. Immer, wenn wir sagen, dass wir Outplacement-Berater sind, kommt sofort dieselbe Reaktion: „Aha, Headhunter."
Wir erklären dann jedes Mal, dass wir keine Headhunter sind – dass wir sie aber gewissermaßen als Makler nutzen, weil sie den großen, verdeckten Arbeitsmarkt bearbeiten. Und beim nächsten Treffen erkläre ich demselben Gesprächspartner wieder, dass wir keine Headhunter sind. Es ist zum Verrücktwerden.
Das ist kein Vorwurf an die Leute. Für das, was wir tun, gibt es schlicht keine Schublade. Also greift der Kopf nach der nächstbesten, und die heißt Headhunter.
Ich muss ehrlich sein: Mir ging es nicht anders. Als ich 2016 als Outplacement-Berater angefangen habe, wusste ich überhaupt nicht, was das ist. Dass ich damit meinen Traumjob gefunden hatte, wusste ich damals ebenfalls nicht.
Bei Arbeitnehmern ist der Bekanntheitsgrad am geringsten. Und warum viele Fachanwälte für Arbeitsrecht das Instrument nicht kennen, ist mir bis heute schleierhaft. Sie würden ihren Mandanten einen Gefallen tun, wenn sie darauf hinwirkten. Dass sie dadurch einen Nachteil hätten, ist mir nicht bekannt.
Die Zahlen erklären den Rest. Nach der BDU-Marktstudie wurden 2024 in Deutschland rund 11.000 Menschen im Outplacement begleitet. Bei rund 46 Millionen Erwerbstätigen heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu kennen, der es durchlaufen hat, liegt nahe null. Ein Instrument, dem man nie begegnet, kann sich nicht herumsprechen.
Der Fall, der die These belegt
Wir hatten einen Klienten bei einem IT-Unternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern. Das Unternehmen hat eine Outplacement-Vereinbarung rundweg abgelehnt und auch die Rechnung des Dienstleisters nicht bezahlt.
Stattdessen hat es die Abfindung um den Outplacement-Betrag erhöht – und die 19 Prozent Mehrwertsteuer gleich obendrauf gelegt, damit der Mitarbeiter die Beratung aus eigener Tasche bezahlen konnte.
Lies den Satz noch einmal. Das Unternehmen hat mehr gezahlt, um die Vereinbarung nicht schließen zu müssen. Für den Mitarbeiter war es das schlechtere Geschäft. Er musste die Beratung aus einer versteuerten Abfindung bezahlen, statt sie steuerfrei zu bekommen. → Abfindung
Solche Entscheidungen fallen nicht aus Berechnung. Sie fallen, weil niemand im Raum das Instrument kennt und niemand sich mit etwas beschäftigen will, das er erklären müsste.
Wie eine Begleitung abläuft
Der Ablauf ist in der Branche weitgehend gleich, die Tiefe unterscheidet sich erheblich.
- Standortbestimmung. Was kannst du wirklich, was willst du, was ist am Markt gefragt? Hier kommen Verfahren zum Einsatz, die deine Stärken und Motive sichtbar machen.
- Ziel. Eine Position, eine Branche, eine Region, eine Gehaltsspanne. Ohne dieses Ziel ist jede Bewerbung eine Vermutung.
- Marktauftritt. Lebenslauf, Profile, die Geschichte, die du erzählst – und die Antwort auf die Frage, warum du gegangen bist.
- Marktbearbeitung. Der sichtbare Stellenmarkt ist der kleinere Teil. Der größere läuft über Netzwerk, Direktansprache und Headhunter.
- Verhandlung. Vertrag, Gehalt, Probezeit, Einstiegsbedingungen.
- Einarbeitung. Die ersten Monate entscheiden, ob der Wechsel hält.
Was Outplacement nicht kann
Drei Grenzen nennen wir jedem Klienten, bevor er unterschreibt.
Es gibt keine Garantie. Viele Beratungsgesellschaften wiegen ihre Klienten zunächst in Sicherheit. Wir tun das nicht. Wir schätzen die Erfolgswahrscheinlichkeit vorab ein und sagen sie ehrlich.
Es wirkt nicht sofort. Eine Suche auf dieser Ebene dauert Monate, und sie ist jahreszeitabhängig. Wer nach vier Wochen ein Ergebnis erwartet, wird enttäuscht. Das ist keine Ausrede, das ist der Markt.
Es ersetzt keine Veränderungsbereitschaft. Ohne eine gewisse Offenheit für Veränderung ist der Erfolg gefährdet. Das sagen wir vorher, weil es später niemand mehr hören will.
Warum wir Klienten ablehnen
Der letzte Punkt hat eine Konsequenz, die ungewöhnlich ist: Wir lehnen Klienten ab. Vor allem dann, wenn im ersten Gespräch die Chemie nicht stimmt.
Das hat einen nüchternen Grund. Bleibt der Erfolg aus, wird er auf den Berater projiziert. Dafür sind wir zu klein. Die großen Gesellschaften werden typischerweise von Konzernen beauftragt, die Hunderte oder Tausende Mitarbeiter abbauen – dort ist das Ergebnis im Einzelfall fast gleichgültig. Bei uns ist es das Einzige, was zählt.
Wenn wir einen Vertrag anbieten, sind wir uns also weitgehend sicher, dass wir diesen Klienten in einen neuen Job begleiten können. Von rund 200 Klienten haben zwei ihr Ziel während der Zusammenarbeit geändert – eine Managerin und Volljuristin aus einem Konzern entschied sich unterwegs, ein Schulungsunternehmen zu gründen. Auch sie hat ihr Ziel erreicht, weil wir sie dabei begleitet haben.
Dreimal haben wir einen Klienten trotz eines unguten Bauchgefühls angenommen. Aus diesen drei Fällen stammt die Regel.
Zum Vergleich der Branchenwert: Nach der BDU-Marktstudie hatten 93 Prozent der begleiteten Kandidaten innerhalb von höchstens zwölf Monaten einen neuen Arbeitsplatz, 40 Prozent nach spätestens sechs Monaten. Eine Auswahl vorab verschiebt diese Quote – sie ersetzt keine Garantie.
Was der Markt sagt
Zahlen aus der BDU-Marktstudie „Outplacementberatung in Deutschland" für das Jahr 2024:
| Marktvolumen | 98 Mio. Euro, rund 20 Prozent mehr als 2023 (78 Mio.) |
| Anbieter | rund 60 Beratungsunternehmen |
| Begleitete Kandidaten | rund 11.000 |
| Neuer Job binnen 12 Monaten | 93 Prozent · binnen 6 Monaten: 40 Prozent |
| Durchschnittliches Jahresbruttoeinkommen | rund 112.000 Euro |
| Alter | 65 Prozent der Kandidaten zwischen 50 und 59 |
| Auftraggeber nach Umsatz | 65 Prozent Großunternehmen, 29 Prozent Mittelstand, 6 Prozent kleine Unternehmen |
Zwei Dinge lassen sich daraus ablesen. Erstens: Outplacement ist ein Instrument für erfahrene Fach- und Führungskräfte in der zweiten Karrierehälfte – genau die Gruppe, die im Buch beschrieben wird. Zweitens: Zwei Drittel des Umsatzes kommen aus Großunternehmen. Wer im Mittelstand arbeitet, muss von sich aus danach fragen.
Die hundert Türen
Dieser Eintrag ist der, auf den die meisten anderen zeigen. Die Abfindung führt hierher, weil sich Geld und Paket gegeneinander rechnen lassen. Der Aufhebungsvertrag, weil hier die einzige Gelegenheit liegt, es zu vereinbaren. Das Alter, weil hier die Frage steht, ob sich Begleitung mit 55 noch lohnt. Und die Dauer, weil sie der wichtigste Grund ist, nicht allein zu suchen.
Wenn du von hier aus nur eines mitnimmst: Sprich darüber, bevor du unterschreibst. Danach ist die Tür zu.
Was es kostet und wer es bezahlt: → Kosten Woran du einen guten Berater erkennst: → Berater

